So viel habe ich gestrickt

Freitag, 21. Januar 2011

Heute vor dem Fenster

 


Wilhelm Busch

Die Meise
Auguste, wie fast jede Nichte,
weiss wenig von Naturgeschichte.
Zu bilden sie in diesem Fache,
ist für den Onkel Ehrensache.
„Auguste“, sprach er, „glaub es mir,
die Meise ist ein nettes Tier.
Gar zierlich ist ihr Leibesbau,
auch ist sie schwarz, weiss, gelb und blau.
Hell flötet sie und klettert munter
am Strauch kopfüber und kopfunter.
Das härtste Korn verschmäht sie nicht,
sie hämmert, bis die Schale bricht.
Mohnköpfen bohrt sie mit Verstand
ein Löchlein in den Unterrand,
weil dann die Sämerei gelind
von selbst in ihren Schnabel rinnt.
Nicht immer liebt man Fastenspeisen,
der Grundsatz gilt auch für die Meisen.
Sie gucken scharf in alle Ritzen,
wo fette Käferlarven sitzen,
und fangen sonst noch Myriaden
Insekten, die dem Menschen schaden;
und hieran siehst du ausserdem,
wie weise das Natursystem.
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