So viel habe ich gestrickt

Dienstag, 24. März 2015

Ich stricke, also...


...sind meine Hände tätig.

So möchte ich den Satz, den uns das Wollschaf diese Woche als verstrickte Dienstagsfrage aufgibt vervollständigen.
https://daswollschaf.wordpress.com/2015/03/24/die-verstrickte-dienstagsfrage-woche-132015/


Meine Gedanken kreisen dabei um verschiedene Aspekte, die meine Handarbeit, nicht nur das Stricken für mich streifen.
Schon seit längerem bedaure ich sehr, dass Handwerke so sehr von industrieller Fertigung verdrängt werden und manche sogar schon ausgestorben sind. Dabei überkommt mich keine nostalgisch anmutende Sehnsucht nach der vermeintlich "guten Zeit". Ich bedaure eher die "möglichst viel und dafür billig" Mentalität. 
Was war es für meine Tochter für ein tolles Erlebnis, als ich mit ihr, ich glaube sie war damals 4 Jahre alt, zu einer richtigen Schuhmacherin ging. Wir sangen damals oft das Kinderlied:
Suse, liebe Suse
was raschelt im Stroh?
Das sind die lieben Gänschen
die haben keine Schuh
Der Schuster hat´s Leder
kein´ Leisten dazu
drum gehn die lieben Gänschen
und haben keine Schuh

Dabei stellte sich bei ihr natürlich irgendwann die Frage, was damit gemeint sein. Also befragte ich die gelben Seiten und vereinbarte einen Termin und verabredet, worum es besonders gehen sollte. Meine  Tochter war begeistert, als sie die vielen Arbeitsschritte hörte und teilweise mitansehen konnte, bis ein Schuh gemacht ist. Highlight war natürlich, als das Leder über den Leisten gezogen und geklopft wurde. 
Wie fast zu erwarten, gibt es diese Schuhmacherei, die diese Handwerksmeisterin von ihrem Vater übernommen hatte heute nicht mehr, meinen Enkeln kann ich aber bestimmt ein youtube- Video zeigen, wie man Schuhe herstellt. 
Mein Vater hatte noch einen Dreifuß, kleine Nägelchen und solche Flecken, womit er die Absätze unserer Schuhe reparieren konnte, und nein er war kein Schuster. (Nur ein abschweifender Gedanke)

Ich könnte nun den Scherenschleifer nennen, der früher noch an die Tür kam, um die Messer und Scheren, die meine Mutter fast ihr Leben lang hütete Wieder für den täglichen gebrauch fit zu machen. Ich kann gar nicht sagen, wie viele Bastelscheren wir in den letzten 20 Jahren "verbraucht" haben, weil sie entweder kaputt gingen oder stumpf wurden. 
Und jetzt kommt der entscheidende Teil: eine neue Schere war billiger und leichter zu beschaffen, als nach einem "Fachmann für Scheren" zu suchen. 
Jeder kann zu dem Thema sicher etwas beitragen. Sei es ein Schlosser, der ein altes verrostetes Kassenschloss wieder instandsetzen und einen Ersatzschlüssel von Hand feilen kann, oder auch der Bäcker, der noch tatsächlich frische Brötchen bäckt und nicht nur irgendein angeliefertes Massenprodukt fertig macht.
Also versuche ich meinen Lieben mit meinen Handarbeiten auch ein wenig zu zeigen, dass man all die Dinge auch von Hand fertigen kann, dass es nur eben länger dauert, Mühe und Geduld braucht und dann auch mit mehr Respekt behandelt werden möchte. 

Natürlich stricke und handarbeite ich in aller erster Linie aus Freude! Weil es mir von klein auf Spaß  gemacht hat, wenn etwas entstand, weil sich die Materialien toll anfühlen und wenn man etwas hatte, was andere nicht genauso hatten. Weil mich Handarbeit entspannt und beglückt. 


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